Geschichte
Wie alles begann
1986 entstand die Idee, die Ruine der Bad Vilbeler Wasserburg als Spielstätte für ein Freilichttheater zu nutzen. Initiiert wurde das Vorhaben von Bodo Preck, dem späteren Intendanten der Burgfestspiele, und dem damaligen Bürgermeister Günther Biwer.
Im Sommer 1987 öffneten die Burgfestspiele Bad Vilbel erstmals ihre Tore. Auf dem Spielplan stand Dario Niccodemis Komödie „Scampolo“ mit Barbara Kratz in der Hauptrolle sowie Klaus Dahlen, Sonya Martin und weiteren Darstellern. Bereits in dieser ersten Spielzeit wurde das Theatererlebnis durch ein – damals noch einfaches – gastronomisches Angebot ergänzt. Die positive Resonanz bestärkte die Verantwortlichen darin, die Burgfestspiele dauerhaft im Kulturleben der Stadt zu verankern.
1988 konzentrierte sich der Spielplan zunächst weiterhin auf eine Eigenproduktion. Im folgenden Jahr fanden zusätzlich erstmals drei literarische Matineen im Burghof statt; zugleich übernahm Klaus Havenstein die Intendanz von Bodo Preck. 1990 wurde das Programm erstmals deutlich erweitert: Neben dem Schauspiel für Erwachsene kam Theater für Kinder hinzu, an fünf Sonntagen wurden literarische Matineen angeboten, und mit den Schlossfestspielen Ettlingen gastierte erstmals ein auswärtiges Ensemble in der Wasserburg. Im selben Jahr übernahm Klaus Havenstein die Intendanz.
In der fünften Spielzeit standen 1991 erstmals zwei Eigenproduktionen auf dem Programm. Zugleich wurde das Gastspielangebot weiter ausgebaut. 1993 übernahm Jörg Reichlin die künstlerische Leitung der Burgfestspiele, die er in den folgenden sechs Spielzeiten innehatte.
Mit Shakespeares „Ende gut, alles gut“ gastierten die Burgfestspiele 1994 erstmals außerhalb Bad Vilbels – in Neuwied und Bad Pyrmont. Seit 1995 wird auch der Theaterkeller als Spielstätte genutzt.
Die Burgfestspiele heute
Seit ihrer Gründung haben sich die Burgfestspiele von einem sommerlichen Theaterprojekt mit einer einzigen Inszenierung zu den besucherstärksten Festspielen Hessens entwickelt. Zugleich zählen sie zu den erfolgreichsten Freilichtspielen mit Repertoirebetrieb in Deutschland. Die organisatorische Verantwortung für die Burgfestspiele und die Planung des gesamten Gastspielprogramms lagen von Beginn an beim Kulturbereich der Stadt Bad Vilbel. Seit 1999 liegt die Intendanz in den Händen von Claus-Günther Kunzmann, dem Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur.
Das Programm wurde über die Jahrzehnte kontinuierlich erweitert und künstlerisch vielfältiger gestaltet. Zu den eigenen Inszenierungen auf der Hauptbühne und im Theaterkeller kamen Theater für Kinder und Familien, musikalische Produktionen sowie weitere unterschiedliche Gastspielformate hinzu. Einen wichtigen Entwicklungsschritt markierte 2003 die Aufführung von Andrew Lloyd Webbers „Evita“: Seitdem gehören neben dem Schauspiel auch Musicals fest zum Repertoire. Mit der „Zauberflöte für Kinder“ kam 2011 erstmals eine Opernproduktion für ein junges Publikum hinzu.
Heute entstehen in jeder Spielzeit zehn eigene Inszenierungen: drei Produktionen im Theaterkeller, drei Stücke für Kinder und Familien – zwei Schauspiele und ein Musical – sowie vier Inszenierungen im Abendprogramm, darunter zwei Schauspiele und zwei Musicals. Ergänzt wird dieses Repertoire durch die sonntägliche Gastspielreihe „Sonntags um 12“ sowie durch ausgewählte Gastveranstaltungen im Abendprogramm.
Klassiker, moderne Stoffe, Komödien, Kriminalstücke und musikalische Produktionen bilden ein abwechslungsreiches Programm für unterschiedliche Alters- und Publikumsgruppen. Einen hohen Stellenwert besitzt das Theater für Kinder und Familien. Es wird durch theaterpädagogische Angebote begleitet und beständig weiterentwickelt.
Auch im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, fanden die Burgfestspiele statt. Mit einem reduzierten und an die damaligen Bedingungen angepassten Programm gelang es, den Spielbetrieb auch unter außergewöhnlichen Voraussetzungen aufrechtzuerhalten. In den folgenden Jahren fanden die Burgfestspiele rasch zu ihrer früheren Stärke zurück. Inzwischen besuchen mehr als 110.000 Menschen pro Saison die Vorstellungen. Damit haben die Burgfestspiele ihre Stellung als besucherstärkste Festspiele Hessens und als kultureller Anziehungspunkt mit weit überregionaler Ausstrahlung weiter gefestigt.
Das Festspielgelände
Das Festspielgelände ist über viele Jahre aus dem Zusammenspiel der historischen Wasserburg, der Zehntscheune, des Stadthauses und der sie verbindenden Außenbereiche gewachsen. Entstanden ist ein zusammenhängendes Ensemble, in dem sich Geschichte, Theaterbetrieb, Gartenkunst, Gastronomie und eine hohe Aufenthaltsqualität miteinander verbinden.
Seit 1993 wird die Zehntscheune, ein historischer Fachwerkbau gegenüber der Wasserburg, für die Burgfestspiele genutzt. Über Jahrzehnte beherbergte sie einen wesentlichen Teil der Werkstätten und war damit ein wichtiger Ort für die Vorbereitung und Umsetzung der Inszenierungen.
Mit dem kontinuierlichen Wachstum der Burgfestspiele wurde auch ihr räumliches Umfeld weiterentwickelt. Einen entscheidenden Schritt bildete 2010 die umfassende Neugestaltung des Burgareals. Die Tribüne wurde neu konzipiert und als Viertelkreis um die Bühne angeordnet. Mit den Pavillons, der grauen Rhombusschalung und den Großschirmen entstand zugleich ein eigener, wiedererkennbarer „Burgstil“.
Theaterkeller, Palas und Außenbereich wurden durch eine einheitliche Treppenanlage und eine zweite Brücke über den Burggraben miteinander verbunden. Gleichzeitig wurden das Sicherheitskonzept sowie Blitzschutz, Notstromversorgung und Brandmeldeanlage optimiert. Ein in die Gesamtanlage integrierter Schallschutz verringerte zudem die Geräuschemissionen der Festspiele deutlich.
Seit 2016 gehört auch das historische Stadthaus zum Festspielgelände. Es ist Sitz der Intendanz, der Dramaturgie und der Verwaltung. Hier werden der Spielplan entwickelt, die Produktionen vorbereitet und koordiniert sowie die organisatorischen und administrativen Aufgaben des Festspielbetriebs wahrgenommen. Verantwortlich dafür ist der Fachdienst Burgfestspiele im Fachbereich Kultur der Stadt Bad Vilbel.
Auch die Wasserburg selbst wurde über einen Zeitraum von rund 20 Jahren umfassend saniert. Im Jubiläumsjahr 2027 werden die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein – wohl wissend, dass ein historisches Bauwerk wie die Wasserburg niemals endgültig „fertig“ ist, sondern dauerhaft gepflegt, erhalten und behutsam weiterentwickelt werden muss.
Einen weiteren Meilenstein bildet die Inbetriebnahme der neuen Theaterwerkstätten Anfang 2027. Der Neubau vereint Schlosserei, Schreinerei, Schneiderei, Requisite und Bühnentechnik sowie drei Probebühnen unter einem Dach. Dadurch verbessern sich die Arbeits-, Proben- und Produktionsbedingungen grundlegend. Zugleich entsteht eine zeitgemäße Infrastruktur, die den hohen künstlerischen, handwerklichen und technischen Anforderungen eines professionellen Repertoirebetriebs entspricht und die Zukunft der Burgfestspiele langfristig sichert.
Mit der Inbetriebnahme des Neubaus werden die zentralen Produktionsbereiche aus der Zehntscheune in die neuen Theaterwerkstätten verlagert. Für den laufenden Festspielbetrieb bleibt das historische Gebäude jedoch unverzichtbar. Es wird künftig das Kartenbüro sowie Sanitäts- und Sozialräume beherbergen. Hinzu kommen kleinere Werkstätten für die unmittelbar vor Ort anfallenden Arbeiten und weiterhin benötigte Lagerflächen. Die Zehntscheune behält damit ihre Bedeutung für das Festspielgelände, erhält gegenüber ihrer bisherigen Nutzung jedoch eine veränderte Aufgabenstellung.
Eine wichtige Rolle für den Charakter des Geländes spielt der sanierte Burggraben. Er macht die historische Gestalt der Wasserburg wieder deutlicher erlebbar und verleiht dem gesamten Areal einen unverwechselbaren Rahmen. Gemeinsam mit der sorgfältig angelegten und gepflegten Gartenanlage, den Kunstwerken rund um die Burg und den verbindenden Außenbereichen prägt er die Atmosphäre des Ortes. Das Gelände bietet damit nicht nur die Kulisse für die Vorstellungen, sondern lädt bereits vor deren Beginn, während der Pausen und nach dem Schlussapplaus zum Verweilen und zur Begegnung ein.
Zum Charakter eines Festspielbesuchs trägt wesentlich auch die Gastronomie bei. Seit 30 Jahren liegt sie in den Händen des Restaurants Alte Mühle. Mit ihrem hohen kulinarischen und gastlichen Anspruch ist sie weit mehr als ein ergänzendes Angebot: Sie bildet einen festen Bestandteil des Festspielerlebnisses. Viele Besucher verbinden ihren Theaterabend ganz selbstverständlich mit einem Essen oder einem Getränk im Burghof und in den angrenzenden Außenbereichen.
Das Zusammenspiel aus historischer Architektur, saniertem Burggraben, Gartenanlage, Kunst, hochwertiger Gastronomie und professionellem Theaterbetrieb schafft eine Aufenthaltsqualität, die weit über den eigentlichen Vorstellungsbesuch hinausreicht. Das Erlebnis Burgfestspiele beginnt nicht erst mit dem Öffnen des Vorhangs und endet nicht mit dem letzten Applaus.
40 Jahre Burgfestspiele
2027 feiern die Burgfestspiele ihr 40-jähriges Bestehen. Aus den bescheidenen Anfängen des Jahres 1987 ist in vier Jahrzehnten ein professioneller Theaterbetrieb mit einem umfangreichen Repertoire, einem vielfältigen Gastspielprogramm und einem besonderen Angebot für Kinder und Familien entstanden.
Das Jubiläumsjahr verbindet den Rückblick auf diese Entwicklung mit dem Beginn eines neuen Kapitels: Die langjährige Sanierung der Wasserburg wird im Wesentlichen abgeschlossen sein, die neuen Theaterwerkstätten nehmen ihren Betrieb auf, und das historische Festspielgelände wird für seine künftigen Aufgaben weiterentwickelt.
Damit verfügen die Burgfestspiele über hervorragende Voraussetzungen, um ihre künstlerische Arbeit fortzuführen und auch in den kommenden Jahren Theater, Geschichte, Gastlichkeit und Begegnung auf besondere Weise miteinander zu verbinden.